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Pirmasenser Zeitung 22.05.2006

Wer ist die Person hinter der Theysohn-Stiftung?

Biografie über den Unternehmer Daniel Theysohn vorgestellt

Von PZ Redakteur Holger Keller
 

Die Autorin der Biografie über Daniel Theysohn, Lilo Hagen, las bei der Vorstellung des Buchs am Samstag im Ludwigswinkler Stiftungssitz Passagen aus dem neu erschienenen Werk. Zweite von links die Aufsichtsratsvorsitzende der Daniel-Theysohn-Stiftung, Anke Förster. (Foto: Keller)   Ludwigswinkel. Viele kennen seine Stiftung, noch mehr haben davon profitiert. Einige wissen vielleicht noch, dass er der Gründer des Heltersberger Tehalit-Werks war.

Doch kaum einer kennt den Menschen Daniel Theysohn, der im Juni 1980 starb. Die Journalistin Lilo Hagen hat sich in den beiden vergangenen Jahren intensiv mit dem Leben des Fabrikanten und Wohltäters auseinander gesetzt und am Samstag, dem 36. Jahrestag der Stiftungsgründung, dessen Biografie mit dem Titel .Daniel Theysohn - ein außergewöhnlicher Unternehmer und seine Zeit" der Öffentlichkeit vorgestellt.
"Die Autorin hat Daniel Theysohn nicht persönlich kennen gelernt. Sie hatte keine Ahnung, keine Vorstellung von seiner Person. Doch wir, die ihn kannten, können feststellen: In der Biografie ist Daniel Theysohn sehr treffend geschildert", lobte Anke Förster, die Vorsitzende des Aufsichtsrats der Daniel-Theysohn-Stiftung, zu Beginn der Veranstaltung im Kultursaal des Stiftungssitzes. Sie skizzierte dabei auch die Beweggründe, warum die Stiftung den Auftrag zur Erstellung der Biografie vergeben hat: "Um die Erinnerung wachzuhalten für die, die ihn kannten; und für die, die ihn nicht kannten, Antworten zu geben auf die Fragen: Wer ist diese Person? Was hat ihn zu Beinen Wohltaten bewegt - und warum gerade in dieser Region'?"
Diese Beweggründe sah auch Landrat Hans Jörg Duppré, der die Laudatio hielt, als Ansporn für die Autorin. Entstanden sei dabei nicht nur eine Sammlung von Fakten und eine chronologische Ordnung der Zeitabläufe, sondern "ein Lebcnsbild, in dem sich sozusagen eine einmalige Persönlichkeit widerspiegelt". Von Seite zu Seite habe die Autorin versucht, "tiefer die Persönlichkeit des Daniel Theysohn zu ergründen - und dies mit spürbar zunehmender Sympathie"

Der Landrat griff in seiner Festrede einige Passagen der Biografie auf: etwa die Rolle des Großvaters Ludwig Heu-mach als "wegweisender Patron" einer großen Familie, der Daniel Theysohn das Grundzeug mitgab, später auch väterlicher Begleiter seiner Mitarbeiter zu sein. Theysohns Tatendrang als Unternehmer machte Duppre an einer Anekdote aus den 20-er Jahren fest: Weil der in der Pirmasenser Glockenstraße ohne Genehmigung einen Pferdestall zu einer Kraftwagengarage umbaut, landet er vor Gericht und muss drei Reichsmark Strafe zahlen.

In jener Straße gründet Theysohn seine erste Fabrik, die Schuhfabrik Teha (Theysohn und Heumach). Die spätere Weigerung der Pirmasenser Stadtväter, dieser Fabrik eine Erweiterungsfläche anzubieten, was letztlich den Verkauf der Schuhfabrik an den Salamander-Konzern und den Umzug Theysohns nach Heltersberg nach sich zog, kommentierte Duppré in seiner Laudatio mit den Worten, "dass kommunale Selbstverwaltung auch die Freiheit einschließt, gravierende Fehler zu machen".

Duppre würdigte auch die besondere Rolle von Daniel Theysohns Ehefrau Ruth, geborene Bachrodt. Sie habe ihn gestützt und getragen, sei jeden Weg mit ihm gegangen und war auch in die Entscheidung, am abgelegenen Saarbacherham mer eine feste Bleibe zu finden, nachdem man die ganze Welt gesehen hatte, mit eingebunden. Angesichts der dort lebenden  jungen   Menschen,  die  in der Grenzregion eine im wahrsten Sinne des Wortes begrenzte Lebensperspektive haben, sei bei Daniel Theysohn der Entschluss gereift, etwas Bleibendes zu hinterlassen. Am 20. Mai 1970 gründete er mit einem Startkapital von 250 000 Mark die Daniel-Theysohn-Stiftung.

Autorin Lilo Hagen sah es nach eigenem Bekunden nicht als Nachteil, die Hauptperson der Biografie nicht persönlich kennen gelernt zu haben. So habe sie ein umfassendes Bild dieses außergewöhnlichen Menschen entwerfen können. Sie las zum Ende der Veranstaltung, die von Michel Roublot auf der Querflöte und Lothar Frary am Klavier umrahmt wurde, einige Ausschnitte aus ihrem Werk. Besonders angetan hatte es ihr dabei eine Stelle, die zuvor auch schon Landrat Duppre zitiert hatte. Dabei geht es um das Verhältnis von Daniel Theysohn und Ruth Bachrodt, die als Pirmasenserin 1931 in Neustadt zur allerersten Weinkönigin gewählt wird. Sie konnte an jenem Abend - daran war ihr späterer Ehemann nicht ganz unschuldig- die meisten Rosen auf sich vereinigen. Und auf die Frage, was eine Weinkönigin braucht, antwortete sie: "Auf jeden Fall ein paar gute Schuhe, damit sie im Weinberg arbeiten kann." In der Biografie heißt es dazu: "Mit dieser Antwort besitzt sie das Herz des jungen Schuhfabrikanteil für alle Zeiten. Egal, welche Schwierigkeiten das Leben für die beiden noch bringen wird: Nichts wird sie je wieder auseinander bringen, denn Daniel liebt Ruth und Ruth liebt Daniel."

Die Biografie "Daniel Theysohn - Ein außergewöhnlicher Unternehmer und seine Zeit" bietet neben dem Porträt ei nes erfolgreichen Unternehmers und wahren Menschenfreunds auch einen Einblick in die Lebensverhältnisse und Denkweise von Familien in unserer Heimat und ist somit auch ein wertvoller Beitrag zur Heimatgeschichte. Erschienen ist die rund 300 Seiten starke und reich bebilderte Biografie in der Kuntz Verlags GmbH Gleiszellen-Gleis-horbach. Sie ist erhältlich nur bei der Daniel-Theysohn-Stiftung in Ludwigswinkel, Telefon 06393/809811.

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