Abschattierung
Vögel

"Die Rheinpfalz" vom 04.12.2012

Großer Gönner schüttet Millionen aus

LUDWIGSWINKEL: Daniel-Theysohn-Stiftung zeigt beispielhafte Projekte – 1971 mit Ausbildungsförderung begonnen

Von Brigitte Leyenberger-Schiel

Mehr als 70 Millionen Euro flossen seit Gründung der Daniel-Theysohn-Stiftung 1971 als Zuwendungen in die Ausbildung von Jugendlichen und seit 1981 auch in gemeinnützige Projekte von Vereinen und Kommunen der Region. Dieses Jahr schüttete die Stiftung 2,3 Millionen Euro aus. Über die Verwendung des Geldes und exemplarische Förderprojekte informierte der Stiftungsvorstand.Das Leitungsgremium will damit „der Öffentlichkeit transparent machen, wie der Stifterwille zeitgemäß umgesetzt wird“, erklärte Vorstandsvorsitzender Gerhard Andreas aus Ludwigswinkel. Angesichts der aktuellen Finanzmarktsituation und einer Inflationsrate von über zwei Prozent sei es im vergangenen Jahr „nicht einfach gewesen, über den Kapitalerhalt und die laufenden Kosten hinaus Fördermittel zu erwirtschaften, aber es ist uns gelungen.“Ausschütten darf die Stiftung nämlich nur, was im jeweils vorhergegangenen Geschäftsjahr durch Anlage des Stiftungsvermögens erwirtschaftet wurde, abzüglich einer Rücklage als Inflationsausgleich zum Zweck des realen Kapitalerhalts. 1,1 Millionen kamen 2012 der Ausbildungsförderung zugute, 1,2 Millionen sonstigen Förderzwecken, für die 180 Anträge gestellt worden waren.

Jeden Antrag berät der Vorstand individuell, wobei laut Andreas folgende Fragestellungen im Vordergrund stehen: „Entspricht das Projekt dem Stifterwillen? Ist es mit Blick auf Sachkenntnis, Rückhalt und Eigenmittel der Projektträger überhaupt realisierbar oder nur eine Flause? Wirkt es sich nachhaltig aus? Wie ist es um das Engagement des Antragstellers bestellt? Bemüht er sich zum Beispiel um weitere Finanzierungsquellen?“ Darüber hinaus dürften keine Dritten mittelbar gefördert werden. Versagten beispielsweise öffentliche Geldgeber nachträglich ihre eigenen Zuschüsse wegen Zuwendungen der Stiftung, zieht diese ihre Förderung wieder zurück. Denn dann käme das Stiftungsgeld mittelbar Anderen zugute. Vor diesem Hintergrund seien, um die jeweils beste Förderung auszuloten, oft Berechnungen notwendig, was bisweilen zu unterschiedlichen Zuwendungen für ähnliche Projekte führe und „den Antragstellern manchmal nur schwer zu vermitteln“ sei, erklärten Andreas und Stiftungsgeschäftsführer Dieter Schehl (Fischbach).

Überdies ist der Vorstand bei jeder Bewilligungsentscheidung bestrebt, den mutmaßlichen Stifterwillen zu ergründen. Manchmal ist das nicht schwer, wie etwa bei der mit 11.000 Euro geförderten Sanierung des Glockenturms der protestantischen Markuskirche auf dem Pirmasenser Sommerwald. Denn wie Vorstandsmitglied Birgit Grohmann mitteilte, hatten Daniel und Ruth Theysohn selbst dieser Kirchengemeinde angehört und schon zu ihren Lebzeiten die Glocken finanziert.

Ebenfalls bekannt ist, dass Tierschutz dem Stifterehepaar „ein ernstes Anliegen“ war. So darf sich das Tierheim Pirmasens, in dessen Katzenhaus der Platzmangel phasenweise schon so extrem war, dass notleidende Tiere nicht mehr aufgenommen werden konnten, über 19.000 Euro für eine Katzen-Quarantänestation freuen. Als ein herausragendes Beispiel für Hilfe zur Selbsthilfe wiederum, laut Vorstandsmitglied Bernd Fischer ein weiteres „Kernanliegen von Daniel Theysohn“, nannte der Vorstand die Förderung der Dachsanierung am Gruppenheim der Waldjugend Zweibrücken, bei der die Jugendlichen beeindruckende 1300 Arbeitsstunden an Eigenleistung erbrachten.

Auch bei der Keglergilde Heltersberg profitiert vor allem die Vereinsjugend von einem Zuschuss. Wie Grohmann erklärte, verzeichnet der Verein „beachtliche sportliche Erfolge vor allem der Jugendabteilung“. Um weiterhin für Wettbewerbe zugelassen zu werden, habe die veraltete Kegelbahnanlage technisch erneuert werden müssen, wozu die Stiftung 5800 Euro beisteuert.

Zu häufig geförderten Projekten gehören ferner Dorfgemeinschaftshäuser, weil dort „der Heimatgedanke besonders gepflegt wird“, Kommunen die Finanzierung aber oft nicht alleine stemmen können. In Erlenbach „wäre das Projekt Dorfgemeinschaftshaus bestimmt nicht zustande gekommen, wenn die Stiftung nicht schon die Planung gefördert hätte, weil bereits dafür die Mittel fehlten“, sagte Schehl.

Nicht selten werden mit einer Zuwendung gleich mehrere Zwecke erfüllt. So gehen etwa die Förderung des Heimatgedankens und des Naturschutzes Hand in Hand, wenn Sanierungsmaßnahmen an Dorfgemeinschaftshäusern direkt oder indirekt zur Energieeinsparung oder einer Verringerung des -Ausstoßes beitragen. Bei der Dachsanierung der Falkenburghalle in Wilgartswiesen beziehungsweise der Festhallenmodernisierung in Heltersberg ist dies der Fall.

Und wenn Maßnahmen dem Schutz von Natur und Landschaft dienen, kann davon auch der Tierschutz profitieren. So erhält der Angelsportverein Spirkelbach unter dem Förderzweck Natur- und Landschaftsschutz im kommenden Jahr einen Zuschuss zur Biotoppflege Schafwoogweiher, weil der durch Faulschlamm hervorgerufene Sauerstoffmangel das Gewässer für Fische und Amphibien unbewohnbar zu machen droht. Naturschutz und Biotoppflege sind auch Hintergrund der mit 40.000 Euro geförderten Renaturierung von Quellen und Nebengewässern um Ludwigswinkel; ein Projekt, bei dem durch diverse Maßnahmen das ursprüngliche Landschaftsbild wiederhergestellt werden soll.

Im wahrsten Sinne des Wortes anschaulich gemacht wurden die 27 erläuterten Förderbeispiele durch Bilder der Fotogruppe Sauertal, welche die Stiftung mit der Projektpräsentation beauftragt hatte. Die Objekte, die Karl-Heinz Bublin, Norbert Ernst, Sebald Liesenfeld sowie Gudrun und Peter Wuttge dafür in den Fokus nahmen, sind auch auf einem Präsentationsposter zu bewundern.

Auch die Stiftung selbst modernisiert sich, nicht nur in puncto Öffentlichkeitsarbeit. Verwaltungstechnisch „hält das Internet zügig Einzug bei uns“, seit man sich auf einer eigenen Homepage präsentiert, sagte Andreas. So seien mittlerweile alle Formulare im Download-Bereich eingestellt, wovon die Antragsteller rege Gebrauch machten. Auch Anfragen erreichten die Verwaltung zunehmend per E-Mail. Dennoch ist die Interaktion zwischen Stiftung und Antragstellern nicht komplett digitalisiert. So können zwar Antragsformulare heruntergeladen und ausgedruckt, Anträge aber nicht online gestellt werden. „Das ist so gewollt“, betont Andreas. Auch, aber nicht nur wegen notwendiger Original-Unterschriften bevorzuge man Anträge auf Papier. „Dahinter steht auch eine Philosophie: Wir möchten, dass sich die Antragsteller bewusst und persönlich mit der Stiftung befassen.“


Zur Sache: In diesem Jahr ausgezahlt

Als herausragende Beispiele ihrer Förderung 2012 präsentierte die Daniel-Theysohn-Stiftung am Donnerstag folgende Projekte:

Pflege des Heimatgedankens

  • Gemeinde Erlenbach: 15.000 Euro für Sanierung und Erweiterung des Dorfgemeinschaftshauses
  • Obst- und Gartenbauverein Erfweiler: 6.000 Euro für Sanierung und Erweiterung des Kelterhauses
  • Gemeinde Heltersberg: 120.000 Euro für Modernisierung der Festhalle
  • Gemeinde Hinterweidenthal: 15.000 Euro für Umbau der Grundschule zum Dorfgemeinschaftshaus; 10.000 Euro für Erweiterung des Dorfparks
  • Gemeinde Schwanheim: 10.000 Euro für Erweiterung des Dorfmittelpunkts; 8.000 Euro für Dachsanierung der Hubertushalle
  • Gemeinde Wilgartswiesen: 8.000 Euro für Dachsanierung der Falkenburghalle
  • Gemeinde Fischbach: Zuwendung für Platzgestaltung Bürgerpark (Mittelvergabe 2013)

Sport

  • Keglergilde Heltersberg: 5.800 Euro für technische Erneuerung der bestehenden Bahnanlage
  • Ortsgemeinde Erfweiler: 7.000 Euro für Anschaffung von Spielgeräten für den Kinderspielplatz
  • Reit- und Fahrverein Waldfischbach: 3.500 Euro für Reitparcours-Hindernisse; 1.500 Euro für Anschaffung eines Schulpferdes
  • Landesjagdverband Pirmasens: 5.000 Euro für Umbau des Pistolenschießstandes Fumbach

Tierschutz

  • Tierschutzverein Pirmasens: 19.000 Euro für Katzen-Quarantänestation

Natur- und Landschaftsschutz

  • Gemeinde Schindhard: 1.500 Euro für Rastmöglichkeit am Vogellehr- und Walderlebnispfad
  • Angelsportverein Spirkelbach: Zuwendung für Biotoppflege Schafwoogweiher (Mittelvergabe 2013)
  • Gemeinde Ludwigswinkel: 40.000 Euro für Renaturierung von Quellen und Nebengewässern
  • Waldjugend Zweibrücken: 5000 Euro für Dachsanierung des Gruppenheims

Denkmalschutz

  • Protestantische und katholische Kirche Dörrenbach: 4.000 Euro für Sanierung des Glockenstuhls der von beiden Konfessionen genutzten Wehrkirche Sankt Martin
  • Katholisches Pfarramt Hauenstein: 1.000 Euro für Instandsetzung der Katharinenkapelle
  • Gemeinde Kleinsteinhausen: 5.000 Euro für Bestuhlung und Herstellung des Kühlraums in der Halle des Dorfgemeinschaftshauses
  • Katholische Kirche Nünschweiler: 2.000 Euro für Läutemaschine und Glockenklöppel
  • Protestantische Kirche Nünschweiler: 8.000 Euro für Instandsetzung des Kirchengebäudes
  • Diakoniezentrum Pirmasens: 3.600 Euro für Sanierung der historischen Einfriedung des ehemaligen Waisenhauses
  • Protestantische Markuskirchengemeinde Pirmasens: 11.000 Euro für Sanierung des Glockenturms
  • Protestantische Kirchengemeinde Rumbach: 4.500 Euro für Sanierung der Stützmauer und des Treppenaufgangs an der Christuskirche
  • Wendelinuskapellenverein Trulben: 5.000 Euro für Gestaltung der Außenanlage Wendelinuskapelle
  • Protestantische Kirchengemeinde Luthersbrunn, Vinningen: 15.000 Euro für Sanierung der Deckenbalken
  • Gemeinde Bundenthal: 3000 Euro für Fertigstellung eines historischen Feldkreuzes.

 
Vier Beispiele, was die Stiftung gefördert hat, zeigen die Fotos (von oben links im Uhrzeigersinn): die Platzgestaltung des Bürgerparks in Fischbach, die Erweiterung des Dorfparks in Hinterweidenthal, die technische Erneuerung der bestehenden Bahnanlage bei der Keglergilde Heltersberg, die Sanierung und Erweiterung des Kelterhauses in Erfweiler.

Bürgerpark in Fischbach Dorfpark Hinterweidenthal Kelterhaus Erfweiler Keglergilde Heltersberg


Info: Stiftungsförderung in Zahlen

Ausbildungsförderung

Anzahl der 2012 geförderten Jugendlichen (ab 16 Jahren) in

  • Fischbach: 138
  • Ludwigswinkel: 65
  • Waldfischbach-Burgalben: 365
  • Heltersberg: 167
  • Schmalenberg: 62
  • Geiselberg: 79
  • Insgesamt: 876

Aufteilung nach Ausbildungsart:

  • Schüler: 420
  • Studenten: 182
  • Auszubildende: 274

Die Förderung beträgt seit 2005 einheitlich pro Empfänger und Monat 120 Euro.

Fördersummen Ausbildung (in Euro):

  • 2011: 1,08 Millionen
  • für Anträge bis November 2012: 886.000
  • seit Gründung der Stiftung 1971 bis 2010: 13,1 Millionen
  • 1971 bis 2012 insgesamt: 15,1 Millionen

Sonstige Förderzwecke (Zuwendungsbeträge in Euro)

2012 flossen in

  • Umweltschutz: 100.000
  • Naturschutz: 250.000
  • Tierschutz: 184.000
  • Denkmalschutz: 88.000
  • Sport: 251.000
  • Heimatpflege: 368.000

Fördersummen "Sonstige Zwecke" (in Euro):

  • 2012: 1,24 Millionen
  • 1981 (Jahr der Aufnahme sonstiger Förderzwecke in die Satzung) bis 2012 insgesamt: 56,3 Millionen

Ausgeschüttete Fördermittel insgesamt (in Euro):

  • 2012: 2,3 Millionen
  • 1971 bis 2012: 71,3 Millionen.

Info: Stiftungsführung

Der Vorstand der Daniel-Theysohn-Stiftung besteht aus fünf nicht hauptamtlich tätigen Mitgliedern und dem Ehrenvorsitzenden. „Ihm obliegt die Verwaltung der Stiftung, insbesondere ihre strategische Entwicklung und Steuerung. Diese Aufgabe erfüllt er nach Maßgabe der Gesetze, der Satzung und des Stifterwillens“, erklärt die Stiftung auf ihrer Internet-Seite.

  • Vorstandsvorsitzender: Gerhard Andreas, Diplom-Verwaltungswirt, Landesbeamter, Stiftungsmanager (European Business School)
  • Ehrenvorsitzende und stellvertretende Vorstandsvorsitzende: Anke Förster, Steuerberaterin

Weitere Vorstandsmitglieder:

  • Birgit Grohmann, Diplom-Betriebswirtin
  • Bernd Fischer, Angestellter der Firma Tehalit Heltersberg
  • Josef Hammer, Ortsbürgermeister von Fischbach
  • Gerhard Ecker, Ortsbürgermeister von Ludwigswinkel

Verwaltungsaufgaben nimmt die in Ludwigswinkel ansässige Geschäftsstelle wahr. Geschäftsführer ist Dieter Schehl.

Download Originalartikel als PDF