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"Die Rheinpfalz" vom 06.07.2013

Naturschätze aufspüren, schützen und erhalten

Ludwigswinkel: Übernahme der Schirmherrschaft durch Geißler soll Wettbewerb der Daniel-Theysohn-Stiftung neuen Schub verleihen

Dr. Heiner GeißlerBei ihrem diesjährigen Ideenwettbewerb zum Thema „Naturschätze entdecken und bewahren“ (die RHEINPFALZ berichtete am 16. Mai) hat die Daniel-Theysohn-Stiftung einen passionierten Naturliebhaber mit im Boot: Der ehemalige rheinland-pfälzische Landes- und spätere Bundesminister Heiner Geißler hat die Schirmherrschaft übernommen.Die Bereitschaft des prominenten Pfälzers, den Wettbewerb auf diese Weise zu unterstützen, erfülle die Stiftung „mit Freude und Stolz“, sagte Vorstandsvorsitzender Gerhard Andreas, der in Geißler „einen idealen Wegbegleiter“ zur Erreichung der Wettbewerbsziele sieht, am Mittwoch in einem Pressegespräch. „Heiner Geißler ist mit dem Naturraum der Südwestpfalz eng verbunden und nicht zuletzt auch wegen seiner sportlichen Aktivitäten bekannt. Als Persönlichkeit ist er in der Bevölkerung hoch angesehen und überaus beliebt. Als Gründungsmitglied und maßgeblicher Akteur des Kuratoriums Sport und Natur sowie als Mitglied des Pfälzerwaldvereins und der Vereinigung Pfälzer Kletterer ist er auch fachlich für das Thema in besonderer Weise geeignet“, erklärt Andreas, weshalb man sich bewusst um Geißler als Schirmherrn bemüht habe.Der Wettbewerb richtet sich an Einzelpersonen und Gruppen, die sich im Naturraum der Südwestpfalz und der Stadt Pirmasens aufhalten. Sie sollen hiesige Besonderheiten der Natur wie geologische Formationen, Gewässer, Pflanzen und Tiere, die bisher noch nicht in einem öffentlichen Verzeichnis gelistet sind, finden und dies mit einer Idee für den Erhalt und die öffentliche Darstellung des jeweiligen Naturschatzes verknüpfen. „Gerade jetzt, zum Beginn der Sommerferien, sind alle Bewohner und Gäste der Region aufgefordert, mit offenen Augen durch die Natur zu gehen und die sicher noch vorhandenen Schätze zu entdecken“, sagte Andreas. Für die 15 besten Projektideen gibt es Geldpreise von insgesamt 15.000 Euro, wobei der erste Preis mit 5000 Euro dotiert ist. Zusätzlich winken Sachpreise.

Der Stiftung ist bewusst, dass sie sich mit dem Wettbewerbsthema auf einer schwierigen Gratwanderung befindet: Einerseits kann nur geschützt werden, was bekannt ist, andererseits kann ein Zuviel an interessierter Öffentlichkeit dem Schutzgedanken auch zuwiderlaufen. Wer etwa eine bemerkenswerte Felsformation, eine versteckt liegende Quelle oder den weitgehend unbekannten Standort gefährdeter Pflanzen kennt, behält dieses Wissen möglicherweise für sich, weil er sonst „Pilgerströme“ zu diesen Stätten befürchtet. Auf Wunsch der Wettbewerbsteilnehmer oder je nach Objekt auch aus eigenem Antrieb werde die Stiftung daher die exakten Standorte der Naturschätze nicht öffentlich bekanntgeben, versichern Andreas und Stiftungsgeschäftsführer Dieter Schehl. Der Erhalt des Schatzes habe auf jeden Fall Vorrang.

Seit dem Wettbewerbsstart Mitte Mai wurden nach Informationen der Stiftung erst zwei Beiträge eingereicht. Auf die Frage der RHEINPFALZ, ob dieses eher magere Zwischenergebnis eventuell auch eine Folge des Wettbewerbsmottos ist – denn die hiesigen Gewässer zum Beispiel dürften alle bereits erfasst und bislang gänzlich unbekannte Pflanzengattungen im Pfälzerwald kaum zu entdecken sein – erklärte Andreas: „Es geht nicht ums Neu-Entdecken, sondern darum, auf verborgene oder kaum bekannte Schätze aufmerksam zu machen, um sie schützen und erhalten zu können.“

Zur gewünschten erhöhten Aufmerksamkeit für Naturschätze dürfte Geißlers Schirmherrschaft beitragen.

Wer aktiv in der Südwestpfalz unterwegs sei, wisse, „dass die Natur hier außergewöhnliche Strukturen hervorgebracht hat, die in vielfältigen Ausprägungen auftreten. Dies kann eine Quelle sein, die im Fels entspringt, oder ein Baum, der trotz widriger Bedingungen im Felsen Wurzeln schlägt und dort Jahrzehnte überdauert“, lässt Geißler über die Stiftung verlauten. Solche Naturschätze gingen „über die rein materielle Interpretation eines Schatzes hinaus“, denn sie seien „einzigartig und unbezahlbar. Kein Mensch kann Schöpfungen der Natur wiederherstellen, wenn sie einmal zerstört sind.“ Der Verlust von Naturschätzen mache die Umwelt ärmer an Arten, Lebensräumen und Schönheit. Diese Gefahr sei „in unserer expandierenden Gesellschaft allgegenwärtig. Vielfach wurden und werden Besonderheiten im Naturraum durch Unwissenheit ihrer Bedeutung oder ihrer Existenz zerstört. Bekanntheit kann in diesen Fällen einen Schutz darstellen.“ Mit dem Wettbewerb, so Geißler, habe die Stiftung „einen guten Ansatz gefunden“, den Bekanntheitsgrad von Naturschätzen zu erhöhen und zu ihrem Erhalt beizutragen. Die Schirmherrschaft habe er gerne übernommen. (brl/Archivfoto: Linzmeier)

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