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"Die Rheinpfalz" vom 08.02.2014

Naturschätze zutage gefördert

Ludwigswinkel: Wettbewerb der Daniel-Theysohn-Stiftung doch noch in Schwung gekommen – 38 Teilnehmer reichen 59 Vorschläge ein

M√ľhlgraben beu Ludwigswikel Zuerst waren zu wenig Beiträge eingereicht worden, „jetzt sind es übergenug“, zeigte sich Gerhard Andreas, Vorstandsvorsitzender der Daniel-Theysohn-Stiftung, am Dienstag höchst zufrieden mit der Teilnahme am Ideenwettbewerb der Stiftung zum Thema „Naturschätze entdecken und bewahren“ (die RHEINPFALZ berichtete mehrfach). Bis zum Einsendeschluss am 31. Dezember hatten 38 Teilnehmer 59 schutzwürdige „Entdeckungen“ gemeldet. Ende August waren es gerade mal zwei, und in den Monaten danach seien die Beiträge nur „getröpfelt“, berichtete der als Wettbewerbsobmann in die Organisation eingebundene Geschäftsführer des Fischbacher Biosphärenhauses, Ulrich Diehl. Doch Ende des Jahres schlug der Wettbewerb dann noch richtig ein. Ein Großteil der Beiträge, so Diehl, sei „erst in den letzten vier Wochen“ vor Ablauf der Frist eingereicht worden.„Geologische Formationen“, „Gewässer“ sowie „Pflanzen und Tiere“ hatten die drei ursprünglichen Kategorien des Wettbewerbs gebildet. Als dieser nicht in die Gänge kommen wollte, erweiterte die Stiftung ihn im Sommer 2013 um die Kategorie „Historische Objekte“. Kurioserweise gehören zu den 59 Entdeckungen nun doch 30 zu Flora und Fauna, während lediglich sechs historische Funde gemeldet wurden. „Geologische Formationen“ und „Gewässer“ nehmen mit zehn beziehungsweise zwölf Beiträgen eine Mittelstellung ein. In keine der vier Schubladen passen hingegen die von einem Teilnehmer gemeldeten „Lichtphänomene im Wasgau“, weshalb die Stiftung sie als „Sonderrubrik“ listet; wobei sich, wie Andreas anmerkte, „da auch die Frage stellt, ob und wie man so etwas wenig Greifbares überhaupt schützen kann“.

Standortkarte der eingereichten Natursch√§tzeBei den konkreteren Objekten wundert sich Diehl, „dass manche nicht bekannter sind“. Da gebe es etwa eine Höckerlinie aus dem Zweiten Weltkrieg, Stollen, Römerstraßen und Brunnen, die früher genutzt wurden, heute aber nicht einmal mehr auf Karten erfasst seien. Insofern habe der Wettbewerb tatsächlich vieles von dem zutage gefördert, „was er rauskitzeln sollte“. Umgekehrt seien aber auch Objekte gemeldet worden, die bereits unter Schutz stünden. Diese könnten zwar nicht gewertet werden, doch „wenn sich für denkmalgeschützte Objekte Träger finden, die damit etwas machen wollen, können sie natürlich trotzdem bei der Stiftung eine Förderung beantragen“, erklärte Andreas. Nicht berücksichtigt werden kann auch die Meldung von Bibern am Schwarzbach, da die Tiere bei Homburg gesichtet wurden, das Wettbewerbsgebiet sich jedoch auf den Kreis Südwestpfalz und Pirmasens beschränkt. Aus der Stadt wurden allerdings keine Beiträge eingereicht, und im Kreis gibt es eine auffällige Häufung im östlichen Bereich. Diehl führt dies darauf zurück, „dass die östliche Südwestpfalz stärker erwandert ist als der westliche Teil“.

Fündig geworden sind indes nicht nur Südwestpfälzer. Der Aufruf an Gäste, sich am Wettbewerb zu beteiligen, ist nicht ungehört verhallt: Personen aus Ludwigshafen, Landau, Neustadt und sogar Düsseldorf begaben sich auf findige Entdeckungstour zu hiesigen Naturschätzen. Wie Diehl weiter ausführte, seien die einzelnen Beiträge hinsichtlich ihrer konzeptionellen Gestaltung „sehr heterogen“. Das Spektrum reiche von der lapidaren Mitteilung, „dass an einem bestimmten Ort ein besonderer Baum steht“, bis hin zu mehrseitigen Projektentwürfen. Gerade Letzteres hatte die Stiftung unter anderem beabsichtigt: „Jedes Projekt, das beim Wettbewerb eingereicht wird, soll mit einer Idee für den Erhalt und die öffentliche Darstellung des entdeckten Naturschatzes verknüpft sein“, heißt es in der begleitenden Informationsbroschüre.

Die unerwartete Zahl der Beiträge erforderte eine Modifizierung des Bewertungsverfahrens. Da die ehrenamtlich als Jurymitglieder wirkenden Personen alle berufstätig seien, wolle man ihnen nicht mehrere Sitzungen zumuten, sagte Andreas. Sie erhalten daher zunächst eine von Diehl erstellte CD mit „Steckbriefen“ der Projekte, die formal und thematisch die Wettbewerbsvorgaben erfüllen. Daraus soll jedes Jurymitglied 15 Favoriten auswählen. „Aus den Rückmeldungen aller Jurymitglieder werden anschließend die 20 bis 25 Projekte benannt, aus denen dann bei der gemeinsamen Jurysitzung Ende März die Sieger ausgewählt werden“, beschreibt Andreas das Prozedere. Die Preisverleihung ist nach Ostern als Festveranstaltung im Biosphärenhaus geplant. Die Stiftung hofft, dafür einen Termin zu finden, den auch der Schirmherr des Wettbewerbs, der ehemalige rheinland-pfälzische Landes- und spätere Bundesminister Heiner Geißler, wahrnehmen kann.

Auf die Gewinner warten attraktive Preise: Der erste Platz ist mit 5000, der zweite mit 3000, der dritte mit 1000 Euro dotiert. Für die Plätze vier bis 15 gibt es jeweils 500 Euro. Alle übrigen Naturschätze-Entdecker erhalten Sachpreise „als Anerkennung für ihre Wettbewerbsteilnahme“, so Andreas. (brl)

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