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"Die Rheinpfalz" vom 09.05.2014

Wertvoller Schatz liegt direkt am Wegesrand

FISCHBACH: Artenvielfalt an Straßenböschungen größer als im Wald – Wettbewerb „Verborgene Naturschätze in der Region“ der Daniel-Theysohn-Stiftung

Preistr√§ger des Wettbewerbs 2014 Unbekannte Naturschätze in der Region entdecken und Ideen entwickeln, wie diese dauerhaft bewahrt werden können: Unter dieser Prämisse hatte die Daniel-Theysohn-Stiftung 2013 zu einem Wettbewerb aufgerufen. Am Mittwoch fand im Biosphärenhaus Fischbach die Siegerehrung statt (der Vorsitzende der Daniel-Theysohn-Stiftung, Gerhard Andreas (links auf dem Foto) mit den Gewinnern der ersten drei Preise: von links Oliver Eller, Jürgen und Christina Brödel sowie Rudi Dengel). Der größte Naturschatz liegt nach Meinung der Jury und des Stiftungsvorstands buchstäblich am Weg: Es sind die Böschungen der Straßen mit einer außerordentlichen Artenvielfalt.

Erster Preis - Stra√üenb√∂schungen Oliver Eller aus Ilvesheim, ein Mitarbeiter der Gesellschaft für Naturkunde und Ornithologie (GNOR), die beim Biosphärenhaus das Naturerlebniszentrum Wappenschmiede betreibt, hatte diesen Beitrag eingereicht. Er hat dabei exemplarisch den Straßenzug von Salzwoog über Langmühle, Glashütte und Eppenbrunn bis nach Ludwigswinkel untersucht und festgestellt, dass an diesen Böschungen eine größere Vielfalt an Pflanzen – auch seltene Arten - herrscht als in allen anderen Wald- und Grünlandlebensräumen der Region (auf dem Foto ein Beispiel an der Abzweigung Salzwoog/Langmühle). Eller führt dies auf die Offenhaltung dieser Flächen und die regelmäßige Mahd durch die Straßenmeistereien zurück. Auf diesen oft sonnigen Flächen können sich Pflanzen entwickeln und im Idealfall auch ausbreiten, die ansonsten durch Sträucher oder Bäume keine Chance hätten. Allerdings gefährde eine zu häufige und zeitlich nicht angepasste Mahd sowie der Ausbau und die Sanierung von Straßen diese Vorkommen.Eller schlug vor, die Artenvorkommen entlang der Straßen systematisch zu erfassen, um die zum Teil wertvollen Vorkommen bei Straßenbaumaßnahmen schützen zu können. Durch eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und den Straßenmeistereien könne der bestehende Lebensraum bewahrt und vielleicht sogar neuer geschaffen werden. Die Juroren würdigten das „große Potential als Lebensraum, Ausbreitungsreservoir und ,Arche Noah’ der Blütenpflanzen im Pfälzerwald“, für das Eller mit seinem Wettbewerbsbeitrag das Bewusstsein geschärft hat, mit dem mit 5000 Euro dotierten ersten Platz.

Zweiter Preis - TischfelsenAuf Platz zwei kam Rudi Dengel aus Münchweiler. Er hat einen unbekannten, beinahe kugelförmigen Tischfelsen bei Merzalben entdeckt. Diese ungewöhnliche Verwitterungsform, für die der Teufelstisch bei Hinterweidenthal der bekannteste Vertreter ist, ist im Pfälzerwald aber relativ selten und ein „Tischfelsen in der Dimension, wie ihn Herr Dengel gefunden und eingereicht hat, ist ein echter Naturschatz“, so die Jury.

Dritter Preis - Felsen mit GleisenMit dem dritten Platz wurde ein Felsen mit „Gleisen“ bei Wilgartswiesen gewürdigt, den das Wilgartswieser Ortsbürgermeisterehepaar Jürgen und Christina Brödel für die Gemeinde einreichte. Der Gemeinde kommt auch das Preisgeld von 1000 Euro zugute. Die parallelen Vertiefungen in einem Hohlweg sind möglicherweise Spuren von Karren oder Loren als Relikte einer einstigen Handelsstraße, die von Weißenburg nach Kreuznach führte. Brödel empfahl, diesen Fund durch Experten erforschen zu lassen und ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

13 weitere der insgesamt 59 eingereichten Wettbewerbsbeiträge wurden ohne weitere Platzierung mit jeweils 500 Euro bedacht.

Der Vorsitzende der Daniel-Theysohn-Stiftung, Gerhard Andreas, sprach von einer „überraschend erfreulichen“ Resonanz und einer „guten Qualität“ der Beiträge. Unter dem Motto „Nur was man kennt, das schätzt man“ sei es Ziel des Wettbewerbs gewesen, den Fokus möglichst vieler Bewohner der Region auf die Besonderheiten des Naturraums zu lenken, der von „skurrilen Sandsteinformationen, bemerkenswerten Tier- und Pflanzenvorkommen, außergewöhnlichen Kleingewässern oder historisch bedingten, in Vergessenheit geratenen Besonderheiten“ geprägt sei. Die Theysohn-Stiftung unterstütze seit vielen Jahren mit erheblichen Mitteln den Erhalt und den Schutz der Natur im Fördergebiet. Der Naturschutz sei ein wesentlicher Stiftungszweck, den die beiden Gründer, Ruth und Daniel Theysohn, gefördert haben wollten, erinnerte Andreas.

Voraussetzung für die Teilnahme an dem Wettbewerb war, dass die Naturschätze bislang noch nicht in einem öffentlichen Verzeichnis gelistet waren. Eine siebenköpfige Jury, bestehend aus Fachleuten der Bereiche Naturschutz und Umweltbildung, traf die Vorauswahl und schlug dem Stiftungsvorstand die 16 Arbeiten vor, aus denen schließlich die Sieger gekürt wurden.

Nachdem bereits 2011/12 mit dem Thema „Tierschutz“ und nun – 2013/14 – mit dem Naturschutz zwei Zwecke der Stiftung im Mittelpunkt eines Wettbewerbs standen, kündigte Andreas für 2015/16 einen neuen Wettbewerb mit einem weiteren Stiftungszweck als Schwerpunktthema an.

Umrahmt wurde die Preisverleihung durch das Ensemble der Kreismusikschule „Flöten in Jeans“ unter Michel Roublot sowie durch eine Multimediashow von Harald Kröher, der mit außergewöhnlichen Luftbildaufnahmen ganz andere Naturschätze der Region präsentierte. (hll)

Zur Sache: Die Preisträger

  • Platz eins:
    • Oliver Eller (Ilvesheim); Straßenböschungen im Pfälzerwald als Reservoir für Pflanzenarten
  • Platz zwei:
    • Rudi Dengel (Münchweiler); Unbekannter Tischfelsen bei Merzalben
  • Platz drei:
    • Jürgen und Christina Brödel (Wilgartswiesen); Felsen mit „Gleisen“ bei Wilgartswiesen
  • Plätze vier bis 16 (alphabetisch):
    • Michelle und Walter Becker (Waldfischbach-Burgalben); Naturnaher Bachlauf bei Burgalben
    • Rudi Dengel (Münchweiler); Naturbelassener Wildbach mit Wasserkaskaden im Waschtal
    • Michael Friedmann; Dicke Marone am Frohnbühl bei Dahn
    • Timm Gutensohn (Dahn); Vergessene Streuobstwiesen in der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland
    • Timm Gutensohn (Dahn); Starke Eiche im Spießwoogtal bei Fischbach
    • Hans-Jürgen Hussinger (Dahn); Fund Geflecktes Knabenkraut
    • Günter Kettering (Hermersberg); Gesundbrunnen bei Hermersberg
    • Jonas Klemm (Dahn); „Rutsch-Stein“ bei Dahn
    • Klaus Leiner (Rumbach); ehemalige Eisenerzgrube bei Rumbach
    • Günter Rindchen; Fund Bleiches Waldvögelein
    • Paul Sarter (Bundenthal); Fund Hirschzunge
    • Michael Schreiber (Fischbach); Mühlgraben am Saarbacherhammer
    • Andreas Stern (Ludwigswinkel); Höhle am Mückenkopf (hll)

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