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"Die Rheinpfalz" vom 05.12.2015

Der große Gönner muss kürzertreten

Tafel In diesem Jahr wird die Daniel-Theysohn-Stiftung über 1,8 Millionen Euro auszahlen. Vorstandsvorsitzender Gerhard Andreas machte aber bei der Jahrespressekonferenz am Donnerstag im Stiftungssitz in Ludwigswinkel deutlich, dass die Ausschüttungen in den nächsten Jahren sinken werden, da aus den Anlagen immer weniger Erträge fließen. Folge: Es werden weniger Projekte gefördert werden können.

„Wir wollen das rechtzeitig kommunizieren“, sagte Andreas, um Enttäuschungen vorzubauen, wenn künftig mehr Anträge abgelehnt werden müssen.

Backofen 1,8 Millionen Euro sind eine stolze Summe, die – der Satzung gemäß – zu etwa 90 Prozent im Gebiet des ehemaligen Landkreises Pirmasens verteilt worden ist. In den Jahren zuvor hatten sich die Aktiendividenden und Erträge aus Anlagen am Rentenmarkt allerdings auf höhere Beträge summiert (2,4 Millionen Euro waren es zum Beispiel 2013, 3,4 Millionen Euro 2009) und konnten zur Ausbildungsförderung sowie als Investitionshilfen zum Beispiel für Vereine und Gemeinden verwendet werden. Die gutverzinsten langfristigen Rentenpapiere der Stiftung laufen laut Andreas jedoch nun nach und nach aus – und was die konservativen Geldanlagen wegen der Niedrigzinspolitik heute noch an mickrigen Erträgen bringen, weiß jeder Sparer aus eigenen leidvollen Erfahrungen. Bevor die Summe der Ausschüttung für ein Jahr feststeht, muss dafür gesorgt werden, dass das Stiftungskapital, über dessen Höhe der Vorstand nach wie vor keine Angaben macht, nicht kleiner wird. Bislang sei der Kapitalerhalt – also der Inflationsausgleich – noch immer übertroffen worden, so Andreas.

Orgel „Alles, was möglich ist, geht in die Förderzwecke“, versicherte er. Das ist als erstes die Zuwendung von monatlich 120 Euro an Schüler, Studenten und Auszubildende von 16 bis 25 Jahren in den vom Stifter festgelegten Gemeinden Ludwigswinkel, Fischbach, Heltersberg, Geiselberg, Schmalenberg und Waldfischbach-Burgalben (diese Gemeinden stehen im Zusammenhang mit dem Wohnort des Ehepaars Daniel und Ruth Theysohn beziehungsweise dem von ihm gegründeten Unternehmen Tehalit). Für die 820 jungen Leute werden in diesem Jahr voraussichtlich 988.000 Euro aufgewendet; weniger als zuvor, da es ganz einfach immer weniger junge Leute gibt. Andreas und Geschäftsführer Dieter Schehl kündigten jedoch für die Zukunft „leichte Einschränkungen“ zumindest in Einzelfällen an, in denen die Bedürftigkeit im Zweifel nicht nachgewiesen werden kann. Zurück zu verwaltungsaufwändigen Prüfungen wolle man jedoch nicht, versicherte Andreas, denn man wolle wie bisher personell „schmalspurig fahren“. Sicher ist allerdings, dass eine Einkommensgrenze eingeführt wird: Junge Leute, die gefördert werden wollen, dürfen nicht mehr als 800 Euro im Monat einnehmen.

Turm Andreas brachte das Dilemma, an dem sich der Vorstand sei Monaten die Zähne ausbeiße, auf den Punkt: „Was ist mit dem Millionärssohn in Ausbildung, der im Porsche durchs Dorf fährt, aber angeblich keine 800 Euro zur Verfügung hat?“ Er verwies aber darauf, dass letztlich allein der Vorstand die Entscheidung fälle, wer die Förderung erhält, und es keinen Rechtsanspruch auf Leistungen der Stiftung gebe. Seit ihrer Gründung vor 45 Jahren wurden für die Ausbildungsförderung insgesamt über 17 Millionen Euro ausgegeben.

Kita Da dies das erste Förderziel der Stiftung ist, werden die künftig notwendigen Abstriche an den sonstigen Förderungen gemacht werden müssen, für die in diesem Jahr noch 827.000 Euro (73 Projekte) zur Verfügung standen. In der Satzung sind nach dem Stifterwillen genannt: Natur- und Umweltschutz (dieses Jahr 267.000 Euro), Tierschutz (148.000 Euro), Denkmalschutz (129.000 Euro), Heimatgedanke (150.000 Euro) und Sport (822.000 Euro). Insgesamt beträgt die Fördersumme hier seit 1970 rund 59 Millionen Euro. Laut Andreas werden künftig weniger Projekte gefördert werden können, wobei nach wie vor genau zu prüfen sei, ob der Träger das Projekt auch stemmen kann und wie viel Eigenleistung sowie Engagement dahinterstehen. Die Vorstandsmitglieder präsentierten 13 Projekte, bei denen der Stifterwille beispielhaft zum Tragen gekommen sei (siehe „Zur Sache“). Andreas verwies auf eigene Projekte der Stiftung, wie die der Stadt Pirmasens geschenkten Skulpturen der „Schuhfrauen“ vor der Alten Post.

Er machte deutlich, dass die Grenze möglicher Förderungen dort verlaufe, wo es sich um gewerbliche Projekte handle oder um solche, die zu den Pflichtaufgaben der Kommunen gehören. Dass der Vorstand dennoch einen gewissen Interpretations- und Ermessenspielraum hat, zeigt sich an einem „Sonderfall“: Die Stiftung zahlt den Tierschutzvereinen in der Region seit Jahren die Hälfte der Ausgaben für Futter, Medizin und ärztliche Behandlung, ohne dies als laufende Kosten zu betrachten, die nicht gefördert werden dürften.

Die Stiftung geht mit der Zeit und wird digital, kündigte der Vorsitzende an. Damit die Anträge künftig per Internet gestellt werden können, ist Hans-Gerhard Schehl, Sohn von Geschäftsführer Dieter Schehl, mit der Digitalisierung der Vorgänge beauftragt worden.

Gerhard Andreas wird bald mehr Zeit haben, um den Vorstandsvorsitz auszuüben: Ende Januar wird der Leiter der Pirmasenser Kriminalpolizei pensioniert, sagte er gegenüber der RHEINPFALZ.

Vorstand

(ow)In ihrer Hand liegt es, wer wie viel Geld von der Stiftung erhält: der Vorstand mit (von links) dem Vorsitzenden Gerhard Andreas, Bernd Fischer (ehemaliger Tehalit-Mitarbeiter), Sebald Liesenfeld (Ortschef von Ludwigswinkel), Michael Schreiber (Ortschef von Fischbach), Dieter Grohmann (beratendes Mitglied) und seine Tochter Birgit Grohmann. Es fehlt die Ehrenvorsitzende und zugleich stellvertretende Vorsitzende Anke Förster.

EINWURF

Offenheit ist der richtige Weg

Von Matthias Rackow

Die Daniel-Theysohn-Stiftung setzt den guten Brauch fort, die Öffentlichkeit über ihre Förderpraxis zu informieren. Der Vorstand müsste das nicht tun, aber einem im besten Sinn gemeinnützigen „Unternehmen“, das ein Vermögen von schätzungsweise 200 Millionen Euro verwaltet, um damit der nicht gerade auf Rosen gebetteten Südwestpfalz zu helfen, steht das gut zu Gesicht. Es ist richtig, nicht länger mit der Information hinterm Berg gehalten zu haben, dass aus dem Füllhorn in den kommenden Jahren weniger ausgeschüttet werden kann als bislang. Auch wenn deshalb künftig mehr Anträge auf Förderung abgelehnt werden müssen – die Theysohn-Stiftung wird der größte Gönner der Region bleiben.

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