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"Pirmasenser Zeitung" vom 05.12.2015

Bisherige Förderung kommt auf Prüfstand

Daniel-Theysohn-Stiftung muss wegen niedriger Zinsen bisherige Handhabung einschränken

Der Vorstand der Daniel-Theysohn-Stiftung informierte in Ludwigswinkel über die Höhe des für Förderzwecke eingesetzten Geldes und die geförderten Projekte im abgelaufenen Jahr. Zudem stellte der Vorstandsvorsitzende Gerhard Andreas neue Konzepte der Stiftung zur Bewältigung der Herausforderungen in absehbarer Zukunft vor.

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„Den Erhalt des Stiftungskapitals zu sichern und gleichzeitig den Stiftungszweck zu erfüllen, stellt Stiftungen angesichts der extremen Kapitalmarktentwicklung der letzten Jahre vor gestiegene Anforderungen“, sagte er mit Blick auf die anhaltende Niedrigzinsphase. Um die Förderzwecke bedienen und die anfallenden Kosten decken zu können, müssten ja zunächst ordentliche Erträge mit dem Stiftungskapital erzielt werden.

Schulhaus „Diese Erträge werden zum überwiegenden Teil den Förderzwecken zugeführt und können deshalb logischerweise nicht dem Stiftungskapital dienen, das wiederum in seinem realen Wert erhalten werden muss, da die Stiftung ’auf ewig’ angelegt ist. Dieses Spannungsfeld kann nur dann beherrscht werden, wenn die Verwaltung des Stiftungsvermögens professionell und nach klar definierten Richtlinien erfolgt, die den jeweiligen Situationen an den Kapitalmärkten angepasst werden“, erläuterte Andreas. Deutlich machte er auch, dass der Vorstand sich stets bemühe, die Verwaltungskosten möglichst gering zu halten, um im Sinne des Stifters die höchstmögliche Förderung gewähren zu können. Dennoch sei der Stiftungsvorstand vor dem Hintergrund, dass die Niedrigzinsen die Erträge erheblich schmälern, dabei, das Förderverhalten der zurückliegenden Jahre zu überprüfen. „Insbesondere bei den ’sonstigen Förderzwecken’, die satzungsgemäß gegenüber der Ausbildungsförderung von Jugendlichen nachrangig angesiedelt sind, wird es weniger Möglichkeiten für eine Unterstützung geben“, kündigte der Vorstandsvorsitzende an.

Insgesamt standen in diesem Jahr aus Erträgen des Vorjahres 1,815 Millionen Euro für die satzungsgemäßen Förderzwecke zur Verfügung. Für den Hauptförderzweck, die Ausbildungsförderung der Jugendlichen aus Fischbach, Ludwigswinkel, Waldfischbach-Burgalben, Heltersberg, Geiselberg und Schmalenberg wurden 988 000 Euro aufgewendet. 820 Anträge wurden positiv beschieden. Jeder geförderte Jugendliche erhält 120 Euro im Monat. Erstmals lag die Auszahlungssumme, aufgrund der demografischen Entwicklung, unter einer Million Euro.

Geschäftsführer Dieter Schehl verdeutlichte, dass künftig überprüft werden soll, ob eine – wie in der Satzung gefordert – „Bedürftigkeit“ überhaupt vorliegt. Sollte dies nicht der Fall sein, will die Stiftung von einer Förderung Abstand nehmen. Wie die Überprüfung erfolgen soll, darüber zerbricht sich der Vorstand derzeit den Kopf, denn seit das Kindergeld, dessen Anspruch lange Zeit Kriterium für die Förderung durch die Stiftung gewesen ist, jedem Kind zusteht, wird auch jeder Jugendliche, unabhängig vom Einkommen seiner Eltern gefördert – was künftig nicht mehr sein wird.

Für die in der Satzung genannten, sonstigen Förderzwecke, das sind Natur- und Umweltschutz, Landschaftspflege, Tierschutz, Denkmalschutz, Denkmalpflege, Heimatgedanke, Heimatkunde und Sport standen 821 000 Euro zur Verfügung.

In dem vorgegebenen Rahmen, das sind die vorhandenen Mittel und die Zahl der vorliegenden Anträge, prüft der Vorstand jeden einzelnen Antrag hinsichtlich der Übereinstimmung mit dem Stifterwillen, der Realisierbarkeit und Nachhaltigkeit des Projekts, des eigenen Engagements des Projektträgers und der Höhe des notwendigen und angemessenen Betrages der Zuwendung. „Mit den Fördermitteln der Daniel-Theysohn-Stiftung soll unter dem Motto ’Hilfe zur Selbsthilfe’ eine Hebelwirkung im Hinblick auf die gemeinnützigen Ziele erreicht werden“, so Andreas.

Neben den einzelnen Projekten unterstützt die Stiftung in jedem Jahr alle Tierschutzvereine im Landkreis Südwestpfalz und in der Stadt Pirmasens durch teilweise Übernahme der Futter- und Medikamentenkosten und der Arzthonorare. Zusätzlich zur Förderung von Maßnahmen Dritter führt die Stiftung inzwischen auch eigene Maßnahmen durch. Die kürzlich an die Stadt Pirmasens übergebenen Statuen der „Schuhfrauen“ vor der Alten Post sind ein Beispiel dafür.

„Die Umbenennung der Integrierten Gesamtschule in Waldfischbach-Burgalben in ’Daniel-Theysohn-IGS’ hat gezeigt, wie tief verwurzelt die Stiftung innerhalb des Fördergebietes ist und welch hohe Anerkennung der Stifter innerhalb der Bevölkerung genießt“, erklärte Andreas abschließend. (lh)

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