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"Die Rheinpfalz" vom 24.02.2018

80-Millionen-Euro-Grenze überschritten

LUDWIGSWINKEL. Seit 47 Jahren fördert die Daniel-Theysohn-Stiftung ganz im Sinne ihrer Stifter Daniel und Ruth Theysohn Projekte in der Südwestpfalz. Mit dem Jahr 2017 wurde beim Gesamtfördervolumen die 80-Millionen-Euro-Grenze überschritten. In den vergangenen 47 Jahren flossen genau 80,26 Millionen Euro in die Südwestpfalz, 1,41 Millionen Euro davon im Jahr 2017 – trotz Niedrigzinszeiten.

Tierschutzverein WasgauDamit erfüllte sich die Prognose von Stiftungsmanager Gerhard Andreas, der Anfang 2017 erklärt hatte, dass die Summe der bewilligten Fördermittel die 80-Millionen-Euro-Grenze überschreiten werde. Millionen, die auch dazu beitragen, die wirtschaftlichen Strukturen in der Region zu erhalten und zu verbessern. Darauf wies Andreas am Donnerstag bei der Präsentation der Zahlen für das Jahr 2017 hin.Der Stiftungsmanager erklärte zudem, dass auch für 2018, trotz anhaltend niedriger Zinsen und der Verpflichtung, das Stifterkapital nominal zu erhalten, Gelder in ähnlicher Höhe für die Projektförderung zur Verfügung stehen. Entscheidend dafür sei das finanzielle Ergebnis der Stiftung 2017. „Damit sind wir sehr zufrieden“, erklärte Andreas.

Erster und wichtigster Stiftungszweck bleibt nach dem Stifterwillen die Förderung der schulischen und beruflichen Ausbildung von Jugendlichen aus sechs Gemeinden in der Südwestpfalz. In den vergangenen 47 Jahren wurden hier 19,645 Millionen Euro aufgewendet. 2017 floss der größte Anteil der Fördersumme wieder in diesen Bereich. 775.920 Euro wurden an 667 förderwürdige Jugendliche in den sogenannten Stiftergemeinden ausgeschüttet: Waldfischbach-Burgalben (311 Jugendliche), Heltersberg (132), Fischbach (88), Geiselberg (49), Ludwigswinkel (45) und Schmalenberg (42).

Rathaus WaldfischbachBei Entscheidungen des Stiftungsvorstandes über Projekte aus den anderen Förderbereichen – vom Denkmal- über den Tier- und Naturschutz bis hin zu Sport und Pflege des Heimatgedankens – werde immer die Frage beleuchtet, ob die Jugend im Kreis Südwestpfalz davon profitiere. Das spiele bei den Vergabesitzungen des Vorstandes eine gewichtige Rolle, unterstrichen die Vorstandsmitglieder Birgit Grohmann, Bernd Fischer, Sebald Liesenfeld und Michael Schreiber, die aus diesen Bereichen verschiedene Projekte vorstellten. Beispiel Sanierung der Fassade des katholischen Schulhauses in Heltersberg. Dieses Projekt zu unterstützen erfüllte den Denkmalschutzzweck, kam aber auch vielen Kindern zugute, da in dem Gebäude der Hort untergebracht ist. Oder wenn dem Südwestpfälzer Kinderchor die Produktion einer CD zum Jubiläum ermöglicht wird, fördert diese den Heimatgedanken und unterstützt zugleich zahlreiche singbegeisterte Kinder.

Das gleiche gilt für die Förderung zahlreicher Sportprojekte im Kreis, von denen auch die Jugendarbeit in den jeweiligen Vereinen stark profitieren soll. Bei jeder Entscheidung, die der Vorstand trifft, werde berücksichtigt, dass der Wille der Stifter nicht nur erfüllt, sondern auch die größtmögliche Wirkung erziele werde, unterstrichen die Vorstandsmitglieder ihr Credo.

StiftungsvorstandHier würde sich Gerhard Andreas mehr Sensibilität von Seiten manchen Antragstellers wünschen. Selbstverständlich sei eine Förderung durch die Stiftung nicht. Wenn ein Antrag zum Beispiel mit dem Hinweis, die Stiftung fördere doch den Sport, versehen sei, aber weiter nichts erläutert werde, sei das zu wenig. Um im Sinne der Stifter entscheiden zu können, müsse detailliert erklärt werden, warum die Stiftung ein Projekt fördern soll. Bei den Vergabesitzungen des Vorstandes – neben den vorgenannten Mitgliedern gehören die Ehrenvorsitzende Anke Förster und Dieter Grohmann als Berater zum Entscheidergremium – herrsche darüber Einigkeit. Detaillierte Informationen ermöglichen es, zu entscheiden, welche Projekte in welcher Höhe gefördert werden. Die vorbereitenden Arbeiten für die Entscheidungsfindung übernehmen Arabella Burkhart und Christine Semler. „Das ist dann die gesamte Stiftung“, verdeutlichte Andreas, das eine schlanke Organisation, die wenig Kosten verursache, die Daniel-Theysohn-Stiftung ausmache und ermögliche, das Geld vor allem in Projekte fließen zu lassen.

Wie viel Geld verteilt werden kann, hängt davon ab, wie gut die drei extern beauftragten Vermögensverwalter arbeiten. Aktien und Anleihen sind das Rückgrat des Stiftungskapitals, dessen Höhe nicht bekanntgegeben wird. Immer ausgerichtet am Marktgeschehen, nie das höchstmögliche Risiko suchend, werde das Vermögen verwaltet. Mit der Arbeit der Vermögensverwalter zeigte sich Andreas sehr zufrieden. Diese unterlägen einer ständigen Kontrolle ihrer Ergebnisse gegeneinander und durch Benchmarks (festgelegte Vergleichswerte) sowie Marktergebnisse. (Andrea Daum)

 


Zur Sache: Was die Stiftung 2017 gefördert hat

Knapp 1,64 Millionen Euro aus den Erträgen des Geschäftsjahres 2016 und aus Vergaberesten des Vorjahres standen im Jahr 2017 für satzungsgemäße Förderzwecke zur Verfügung.

Davon wurden 775.920 Euro für die Ausbildungsförderung von 667 Jugendlichen ausgeschüttet. 671.550 Euro flossen in die Stiftungszwecke Natur- und Landschaftsschutzschutz (236.900 Euro), Tierschutz (130.950 Euro), Denkmalschutz und Denkmalpflege (41.800 Euro), Heimatgedanke und Heimatkunde (20.800 Euro) und Sport (241.100 Euro). 51 Maßnahmen wurden in diesen Bereichen gefördert. Einige Beispiele:

Sport

  • Fischbach: Zelt- und Freizeitgelände für Jugendliche (60.000)
  • Ludwigswinkel: Turn- und Bewegungsraum (74.000 Euro)
  • Rieschweiler-Mühlbach: Bau des Kunstrasenplatzes mit Flutlichtanlage (20.000 Euro)
  • Rodalben: Erneuerung des Luftdruckwaffenstandes (8000 Euro)
  • Waldfischbach-Burgalben: Spielgeräte für Kinderspielplatz (12.000 Euro)

Natur- und Landschaftsschutz

  • Fischbach und Ludwigswinkel: Offenhaltung der Talaue (je 100.000 Euro)
  • Clausen: Jugendzeltplatz und Walderlebniszentrum der Waldritter (12.000 Euro)

Tierschutz

  • Pirmasens: Tierschutzverein Stadt und Land erhält Zuschuss zu Futter-, Medikamenten- und Tierarztkosten (61.200 Euro)
  • Dahn: Tierschutzverein Wasgau erhält Notunterkunft für Ziegen (9400 Euro)

Denkmalschutz

  • Thaleischweiler-Fröschen: Restaurierung Stumm-Orgel (30.000 Euro)
  • Heltersberg: Erneuerung Fassade katholisches Schulhaus (42.000 Euro)
  • Reifenberg: Sanierung Außenfassade Kapellchen (12.500 Euro)
  • Waldfischbach-Burgalben: Fenster am Alten Rathaus (24.500)
  • Schmalenberg: Fenster und Eingangstür Rathaus (23.000 Euro)
  • Niederschlettenbach: Mauerwerk St.-Anna-Kapelle (8000 Euro)

Heimatgedanke/Heimatkunde

  • Nothweiler: Buch über die Geschichte des Bergbaus im Wasgau (10.000 Euro)
  • Münchweiler: CD-Produktion des Südwestpfälzer Kinder- und Jugendchors (1500 Euro)
  • Steinalben: Konzertbühne für die Moosalbtaler Blasmusik (2500 Euro)

 

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