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Die Arbeit mit den Millionen

LUDWIGSWINKEL: Auf vielen Millionen Euro zu sitzen ist nicht immer ein Vergnügen. Vor allem dann nicht, wenn man in Niedrig-Zins-Zeiten wie diesen das Kapital weiter mehren muss. Vor dieser Aufgabe steht die Daniel-Theysohn-Stiftung: Sie benötigt Erträge, um nach dem Stifterwillen die Region zu fördern. Bisher ist dies gelungen. Doch es wird immer schwieriger, weshalb sich die Stiftung zunehmend auf ihren Kern besinnt.

 

Von Mechthild Treusch

Die Zeiten von 8 oder 9 Prozent sicherem Zinsertrag sind lange her. 1970 war es, als der Unternehmer Daniel Theysohn sein gemeinnütziges Wirken mit 250.000 Mark an Stiftungsmitteln untermauerte, um begabte, aber bedürftige junge Menschen aus seiner Heimat in ihrer Ausbildung zu fördern.

Heute, bei einem Zinsniveau, das seit Jahren gegen Null tendiert, können Gerhard Andreas, Birgit Grohmann und die anderen Vorstandsmitglieder der Theysohn-Stiftung von solchen Zinserträgen nur träumen. Dabei haben sie heute ein Vielfaches an Geld zu verwalten und zu mehren: Das Stiftungskapital muss nicht nur real erhalten werden, also unter Berücksichtigung des Inflationsausgleichs, sondern daraus müssen zugleich Fördermittel für die von den Stiftern Daniel und Ruth Theysohn vorgegebenen Zwecke erwirtschaftet werden – vor allem für die Ausbildungsförderung, aber auch für Umwelt-, Landschafts-, Tier- und Denkmalschutz, Sport und Heimatpflege in der Region.Das Kapital der Stiftung dürfte inzwischen im unteren dreistelligen Millionenbereich liegen. Eine Summe gibt der Vorstand nicht preis – auf Bierdeckelrechnungen von selbsternannten „Experten“ wollten sie verzichten, sagen sie dort. Denn bei der Stiftung vertrauen sie auf eigene Strukturen – „wir sind strukturell hervorragend aufgestellt“, meint Vorstandsvorsitzender Gerhard Andreas. Der Beleg für ihn: „Heute haben wir das Realkapital voll erhalten, sind sogar leicht im Plus.“

 

Vor allem seit der Finanzmarktkrise 2008, die auch die Stiftung spürte, sind Strukturen professionalisiert worden. So wurde das Vermögen, das überwiegend in Aktien- und Rentenpapieren angelegt ist, in drei eigene Spezialfonds aufgeteilt. Diese werden von drei verschiedenen Vermögensverwaltern gemanagt. Dabei stünden diese auch untereinander in Konkurrenz, sagt Andreas, würden regelmäßig bewertet und, wenn erforderlich, durch andere Verwalter ersetzt. Allen dreien gibt die Stiftung gleiche Anlage-Richtlinien vor, in denen eine vorsichtige Strategie verfolgt wird.

 

Geprüft und kontrolliert wird die Vermögensverwaltung auf mehreren Ebenen. Die Fonds, die in einem „Masterfonds“ unter dem Dach einer Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) arbeiten, werden durch eine große Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft. Die KVG selbst kontrolliert die Einhaltung der Anlage-Richtlinien. Die Entscheidungen der Fondsmanager, die vierteljährig miteinander und mit Blick auf den Markt verglichen werden, sowie deren Ergebnisse analysiert wiederum eine Performance-Messgesellschaft. Ein Controlling-System ähnlich wie bei einem Unternehmen.

 

Viele Experten und ein schwieriger Markt: Wie kann da ein Stiftungsvorstand beurteilen, ob das Geld wirklich den richtigen Händen anvertraut wurde? „Man muss hineinwachsen“, meint Andreas. Ohne Faible für Finanzen geht das freilich nicht. So bringt der seit kurzem pensionierte Leiter der Pirmasenser Kriminalpolizei, seit 1989 im Stiftungsvorstand, auch eine Ausbildung als Steuergehilfe und den Diplom-Verwaltungswirt mit, hat den Stiftungsmanager EBS (European Business School) draufgesattelt. Birgit Grohmann, seit 2012 dabei, ist Betriebswirtin; Geschäftsführer Dieter Schehl, seit 1984 dabei, war früher beim Finanzamt. Profitiert hätten sie zudem von Wissen und Erfahrung anderer, die die Stiftung seit Jahren wohlwollend begleiten, sagt Andreas.

 

Um mithalten zu können, müssen sie sich ständig auf dem Laufenden halten, über Kapitalmarkt, politische Entscheidungen und deren Folgen, Anlagestrategien und mehr. Ein Großteil seiner Zeit, sagt Andreas, fließe in das Thema „Erwirtschaftung der Erträge“. Kapital mehrt sich eben nicht einfach durch ein paar Klicks am Computer. So nehmen sie Anlagemöglichkeiten auch selbst unter die Lupe, einzelne Immobilienprojekte durchaus sogar persönlich. Beteiligt ist die Stiftung – bisher zu einem kleinen Teil – nämlich auch an Immobilienfonds, die für institutionelle Anleger wie Rentenkassen und Banken aufgelegt wurden. Das sind zum Beispiel Immobilien im Pflegebereich oder für Studenten – in der hiesigen Region, in Süddeutschland, aber auch in west- und nordeuropäischen Städten wie Brüssel und Helsinki.

 

Der Großteil des Vermögens liegt in Rentenpapieren und Aktien. Bisher. Aber jetzt, stellt Birgit Grohmann fest, liefen hochverzinsliche Papiere nach und nach aus. Eine Herausforderung für die Stiftung. Sie hätten zwar den „Riesenvorteil einer schlanken Verwaltung“, stellt die Betriebswirtin fest. Aber der Blick auf die Kostenseite genügt nicht: Sie müssten nun, meint sie, auch ihr Risikoverhalten bei der Vermögensverwaltung verändern.

Verändert hat sich jedoch nicht nur der Kapitalmarkt. Auch das gesellschaftliche Umfeld wandelt sich. Öffentliche Kassen werden klammer, bei Kirchen und Verbänden sitzt Geld nicht mehr locker – Stiftungszuschüsse sind da umso gefragter. Gleichzeitig seien Standards hoch geblieben, ebenso das Anspruchsdenken, stellen sie bei der Stiftung fest. Zu selbstverständlich, meint Birgit Grohmann, sei es geworden, dass die Stiftung Geld für Vorhaben gebe.

 

Bisher, sagen sie, hätten sie alle Anträge fördern können, die sie fördern wollten. Daran soll sich nichts ändern – Niedrigzinsen zum Trotz. Allerdings müssten sie auch an künftige Generationen denken, schränkt Andreas ein. Deshalb müssten sie umso genauer hinschauen, ob beabsichtigte Projekte dem Kernbereich eines Förderzweckes nahe kommen. Ein Punkt, an dem gerade gearbeitet wird.

Keine Frage: Kapitalerhalt ist auch Arbeit. Aber eine, die sie bei der Stiftung gerne machen. Denn dort, sagt Gerhard Andreas, müssten sie schließlich keine Anteilseigner bedienen. Dort seien sie einzig dem Stifterwillen verpflichtet. Und damit stets einem guten Zweck.


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