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Ein „Kümmerer“ geht

 LUDWIGSWINKEL: Theysohn-Stiftung verabschiedet Geschäftsführer Dieter Schehl

 

Den großen Bahnhof mit Grußwortrednern aus Politik und Verwaltung wollte er partout nicht. Nur in ganz kleinem Kreis, mit seinen engsten Familienangehörigen, Mitarbeiterinnen und den Vorstandsmitgliedern mochte sich Dieter Schehl am Mittwoch im Kultursaal der Daniel-Theysohn-Stiftung als deren Geschäftsführer Adieu sagen lassen.

Der endgültige Ruhestand des langjährigen Vorstandsmitglieds und späteren Geschäftsführers sei ein „Grund zur Freude und zum Trauern“ gleichermaßen, sagte Vorstandsvorsitzender Gerhard Andreas. Drei Jahrzehnte lang war Schehl, wie Ehrenvorsitzende Anke Förster in ihrer mit Erinnerungsfotos illustrierten Laudatio hervorhob, „der gute Geist, der Kümmerer in allen großen und kleinen Dingen“, auf den man „immer zählen konnte“ und ohne den die Stiftung „heute nicht das wäre, was sie ist“. Sein bescheidener Abschied passe insofern, als auch Daniel Theysohn selbst Aufhebens um seine Person oft mit den Worten abgelehnt habe: „Hopp, macht net so viel Ferz!“Dieter Schehl habe die Stiftung „als Lebensinhalt betrachtet“. Schon Ende der 80er Jahre sei er, damals noch als Ortsbürgermeister von Fischbach und als solcher Mitglied des Vorstandes, mit seiner Frau Elly in Bad Harzburg gewesen, um dort mit dem Ehepaar Förster Stiftungsangelegenheiten zu besprechen. Geschäftsführer war seinerzeit Ludwig Steigner, auf den 1992 der Ludwigswinkler Altbürgermeister Herbert Klar folgte.

Nach Daniel Theysohns Tod 1980 und dem seiner Frau Ruth 1994 gingen deren Tehalit-Anteile auf die Stiftung über, wodurch das Stiftungsvermögen um ein Vielfaches wuchs; „mit der Folge wesentlich höherer Erträge, die eine Erweiterung der Stiftungszwecke nach sich zog“, erinnerte Förster. Die bisherigen Formulare und Richtlinien hätten dafür nicht mehr ausgereicht. Auch sei alles zu arbeitsaufwändig geworden, um von Klar weiterhin ohne Computer in Heimarbeit erledigt werden zu können. In dieser Situation seien Dieter und Elly Schehl zu Hilfe geeilt. Neben seiner beruflichen Tätigkeit in der Finanzverwaltung habe Schehl das Antragswesen effizienter organisiert, neue Förderrichtlinien erarbeitet sowie Formulare und Verwendungsnachweise entworfen.

 

1999, im Jahr seiner Pensionierung als Finanzbeamter, ernannte der Stiftungsvorstand Schehl mit 60 Jahren zum zweiten Geschäftsführer neben Klar. Nun gab es auch einen Computer, gearbeitet wurde aber noch von zu Hause aus. Erst als 2001 das Verwaltungsgebäude in Ludwigswinkel fertig gestellt war, bekam Schehl einen festen Büro-Arbeitsplatz. Noch im selben Jahr habe er gegen den Willen Klars Christine Semler als Sachbearbeiterin „an Land gezogen“ und sie als „väterlicher Freund“ auf seine Nachfolge vorbereitet. Mitte 2003 schied Herbert Klar mit 82 Jahren als Geschäftsführer aus.

 

Nachdem 1996 auch Tehalit verkauft worden war, lag die Verantwortung für „riesige Geldsummen“ nun bei Schehl als alleinigem Geschäftsführer. Die Gelder habe er mit viel Verhandlungsgeschick angelegt, betonte Förster. Allein an Fördergeldern seien in all den Jahren 17 Millionen Euro für Jugendliche und 32 Millionen für sonstige Stiftungszwecke über seinen Schreibtisch gelaufen. Darüber hinaus habe er unter anderem mit Hilfe seines Sohnes die Digitalisierung der Stiftung auf den Weg gebracht und die von Lilo Hagen verfasste Daniel-Theysohn-Biografie angestoßen.

 

„Nun bist du mit fast 78 Jahren endgültig in Rente. Du wirst uns fehlen“, stellte Förster wehmütig fest. Als Dank für seine „Treue, Zuverlässigkeit, Loyalität, Engagement, hervorragende Arbeit, Hilfsbereitschaft und immer freundliches Wesen“ überreichte sie ihm die Ehrenurkunde der Stiftung. Als Präsente gab es von ihr und Andreas Reisegutscheine, ein Fotobuch mit Erinnerungsbildern und sinnige Präsente für den Zeitvertreib im Ruhestand.

 

Schehl sagte, er sei „dankbar, in einer Zeit mitgewirkt haben zu dürfen, in der die Stiftung hohe Erträge ausschütten konnte“. Sein Leitspruch als Geschäftsführer sei stets gewesen: „Arbeite so, dass die Wirkungen deines Handelns im Leben vertretbar, verträglich, realistisch und wirkungsvoll sein sollen und gehe in manchen Fällen bis an die Obergrenzen des Möglichen.“ Ganz besonders unterstützt habe er Antragsteller, die in der Zuwendungsanfrage bescheiden waren, weil sie sich auch „mit Wenigem glücklich und zufrieden“ zeigten.

 

Hinsichtlich Schehls Nachfolge erklärte Andreas: „Über 30 Jahre gesammelte Erfahrungen kann man nicht einfach übergeben.“ Die Stiftung werde vielmehr auf diesen Erfahrungen auf- und weiterbauen. Konkret heißt das: Die Stelle des Geschäftsführers wird nicht wieder besetzt, sondern dessen Aufgaben werden auf mehr Schultern verteilt: Im Büro wirkt Arabella Burkhart, die noch von Schehl eingearbeitet wurde, neben Christine Semler. Aufgaben mit Außenwirkung und das Controlling übernehmen laut Andreas künftig die Vorstandsmitglieder „je nach Fähigkeiten und Verfügbarkeit. Wir gehen damit einen Weg in Daniel Theysohns Sinne.“ (brl)


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